Wir feiern unser 100 jähriges Jubiläum!

Am Mi 5. Jänner 2005, 19.30 fand unser Festkonzert im Großen Musikvereinssaal in Wien statt:

J. Brahms:
Akademische Festouverture, c-moll, op. 80
Violinkonzert, D-Dur, op. 77

Solist: Dominik Hellsberg
Dirigent: W. Gabriel

J. Brahms:
4. Symphonie, e-moll, op. 98

Dirigent: Zubin Mehta

 

Zubin Mehta:

Grußadresse anlässlich der 100-Jahr-Feier des Akademischen Orchestervereins Wien

Peter Placheta:

100 Jahre Akademischer Orchesterverein in Wien

Der Akademische Orchesterverein ist eines der traditionsreichsten Amateurorchester Wiens. Seit seiner Gründung im Jahre 1904 als studentisches Salonensemble hat sich das Orchester im Laufe der Jahrzehnte zum fast professionellen symphonischen Klangkörper entwickelt. Die Freude am aktiven Gestalten von Orchesterwerken verbindet die Mitglieder des Akademischen Orchestervereins quer durch die Vielfalt der zivilen Berufe und alle Altersstufen. Bisher ist es uns auch gelungen, musikalischen Nachwuchs aufzubauen und junge Menschen für das Orchesterspiel zu begeistern.

Öffentlich Konzertieren heißt für uns mehr als nur zum eigenen Vergnügen zu musizieren. Unser Anliegen ist es, Musik mit hohem Qualitätsanspruch zu gestalten, um nicht nur uns selbst sondern auch den Zuhörern Freude zu bereiten. Bei jedem öffentlichen Auftritt wiederholt sich die Herausforderung, durch die Programmauswahl und Qualität der Wiedergabe so viel zu bieten, dass das wohlwollende und musikverständige Publikum Gefallen findet und gerne wiederkommt. Diesem Publikum danken wir für seine Treue und Verbundenheit. Nur so können wir seit Gründung des Orchesters in diesem wunderbaren Konzertsaal des Musikvereinsgebäudes musizieren. Das Orchester ist finanziell unabhängig. Das erlaubt es uns, die Konzertprogramme in eigener Verantwortung zu gestalten. Dabei wählen wir neben Bekanntem und Beliebtem gerne Stücke aus, die im Konzertbetrieb selten oder - oft unberechtigter Weise - nicht zu hören sind.

Die Förderung des solistischen Nachwuchses ist uns seit langem ein Anliegen. Der Akademische Orchesterverein begleitet immer wieder junge aufstrebende Instrumentalisten und gibt ihnen die Möglichkeit, ihr Talent als Solisten - oft erstmalig - öffentlich zu beweisen. Wir musizieren aber auch immer wieder mit arrivierten Solisten. Allen voran sei hier der philharmonische Konzertmeister Rainer Küchl - seit seiner Jugend unserem langjährigen Konzertmeister Hans Mühlbacher freundschaftlich verbunden - genannt, der in mehr als 30 Konzerten zahlreiche klassische und romantische Violinkonzerte mit uns aufgeführt hat. Mehrere seiner philharmonischen Kollegen auf verschiedenen Streich- und Blasinstrumenten (René Staar und Werner Hink, Violine; Gerhard Iberer, Violoncello; Wolfgang Schulz, Flöte; Martin Gabriel, Oboe; Peter Schmiedl, Klarinette; Michael Werba, Fagott) haben wiederholt mit dem Akademischen Orchesterverein konzertiert. Weitere prominente Streicher, die mit uns als Solisten musiziert haben, waren Klara Flieder und Birgit Kolar (Violine), Johannes Flieder (Viola) sowie Rudolf Leopold (Violoncello). Auch die Pianisten Hans Kann, Johannes Kropfitsch und Gottlieb Wallisch konnte das Orchester begleiten. Immer wieder treten Solisten aus unseren eigenen Reihen auf, eine ganz besondere Herausforderung. Regelmäßig pflegen wir die Zusammenarbeit mit Amateurchören wie dem A-Cappella-Chor Tulln, der Bachgemeinde Wien und der Chorvereinigung Schola Cantorum bei der Aufführung von Chor-Orchesterwerken von Johann Sebastian Bach bis zu den Carmina burana.

Für uns ist das Musizieren eine wichtige Energiequelle und der Ausgleich für eine vielfältige anstrengende Berufstätigkeit. Wir verstehen uns als lebendiger Teil der Wiener Musiktradition, fortgeführt aus einer Zeit, in der ausübendes Musizieren ein selbstverständlicher Bestandteil des kulturellen Lebens war. Wir sehen es heute auch als Privileg an, durch das aktive Musizieren kreativ sein zu können – im Unterschied zum üblichen passiven Rezipieren.

Prof. Wolfgang Gabriel ist seit mehr als 40 Jahren künstlerischer Leiter des Orchesters und führt uns durch kontinuierliche Aufbau- und Erziehungsarbeit zu beachtlichen Leistungen. Wir schätzen seine universelle musikalische Kompetenz als Dirigent, Pianist und Komponist. Ihm gelingt es mit Inspiration und Beharrlichkeit, die technischen und interpretatorischen Ansprüche gemeinsam mit uns zu bewältigen. Auch versteht er es immer wieder, uns die Struktur der Werke nahe zu bringen und so eine neue Dimension für das Verständnis und die Interpretation zu erschließen. Ihm sind wir aus Anlass des Jubiläums ganz besonders in Dankbarkeit verbunden.

Maestro Zubin Mehta hat sich in freundschaftlicher Verbundenheit, die in seiner Wiener Studienzeit als Kapellmeisterschüler von Hans Swarowsky und als Kontrabassist im AOV entstand, bereit erklärt, die vierte Symphonie von Johannes Brahms zu dirigieren. Dafür danken wir ihm sehr herzlich, denn dies ist eine ganz besondere Auszeichnung und Anerkennung unserer Bestrebungen und macht unser Konzert zu einem für uns alle außergewöhnlichen Ereignis.

Univ. Prof. Dr. Peter Placheta,
Vorstand des Akademischen Orchestervereins

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