Wolfgang Gabriel

Geboren 1930 in Wien. Noch während der Gymnasialzeit Studium an der damaligen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien (Theorie bei Joseph Marx und Alfred Uhl, Klavier bei Grete Hinterhofer, Kapellmeisterschule bei Hans Swarowsky). 1952 Abschluß der Fächer Theorie und Kapellmeisterschule mit Auszeichnung und Abgangspreis. Swarowsky vermittelte nicht nur ein verläßliches dirigentisches Rüstzeug und das leitende Prinzip der absoluten Werktreue, soweit es so etwas überhaupt gibt, sondern vor allem auch die Erkenntnis, dass Kompositionen einen klaren Aufbau haben müssen und strukturell erfassbar sein sollen. Nach wenigen Jahren als Volontär wurde Gabriel 1954 an seine alte Schule als Lehrkraft berufen, zunächst als Korrepetitor in der Gesangsabteilung, später als Assistent des Liedlehrers Dr. Ernst Reichert, sowie als Musikalischer Leiter einer Opernklasse. In dieser Eigenschaft - spaeter als ordentlicher Hochschulprofessor - hat Gabriel jahrzehntelang an der Heranbildung künftiger Opernsänger mitgewirkt, zahlreiche Opernaufführungen in Wien und auf ausgedehnten Tourneén wurden von ihm geleitet bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1996. Er dirigierte die Wiener Symphoniker, das Niederösterreichische Tonkünstlerorchester, das ORF-Symphonieorchester, das Orchester der Jeunesses Musicales, das 1. Frauen-Kammerorchester von Oesterreich sowie die ungarischen Orchester von Miskolc, Pecs, Szombathely und Gyor. Seit 1988 leitet er die musikalischen Geschicke der Bach-Gemeinde. Die Personalunion AOV-Bachgemeinde hat sich wiederholt bewährt, vor allem bei Aufführungen von Bachs Passionen und der h-moll-Messe, von Mozarts Requiem und der c-moll-Messe, von Brahms Requiem uvm. Als Komponist trat Gabriel mit Orchesterwerken (6 Konzerte fuer Orchester), Solokonzerten (Violine, Bratsche, Violoncello und Kontrabaß und Oboe), Kammermusik (3 Streichquartette, 2 Blaeserquintette, Quintett fuer Oboe und Streichquartett uvm) und zahlreichen Liedern (9 Zyklen) vor die Öffentlichkeit. Seine Musik wendet die Zwölftonreihe mitunter als Bauelement, bleibt aber immer grundtonbezogen. Die Reihe ist sozusagen Mittel zum Zweck und nicht Weltanschauung.

Prof Wolfgang Gabriel war von 1962 bis 2006 Musikalischer Leiter des AOV.

Peter Placheta: Laudatio auf Wolfgang Gabriel

Wolfgang Gabriel: Gedanken zum 90jährigen Jubiläum des AOVl, 1994